Montag, 10. Oktober 2016

Leseprobe zu: The Pub - 3 Frauen, Kleinkind, Koi und Mops ...2 dram whisky, Lizzy!

Dies ist eine weitere Leseprobe ( eine andere bekommt ihr beim Blick ins Buch auf Amazon!)
zu meinem NEUSTEN Buch "The Pub - 3 Frauen, kleinkind, Koi und Mops ... 2 dram whisky, Lizzy!" 

Viel Spaß beim Lesen ! 

Klappentext:

Ein gebrochenes Herz veranlasst die Schottin Lizzy, ihrer Heimat den Rücken zu kehren.
Sie zieht nach Hamburg, um sich fortan ganz auf ihre Karriere als Musical-Tänzerin zu konzentrieren.
Doch auch in Hamburg hat sie kein Glück.
Ein kurzes Verhältnis mit einem korrupten Polizisten zerstört ihre Karriere auf brutale Weise.
Da Lizzy um ihr Leben fürchtet, beschließt sie, zurück nach Schottland zu gehen, um ihr Erbe, einen heruntergekommenen Pub, zu übernehmen, in dem sie ausgerechnet mit dem Mann arbeiten muss, dessen Herz sie nahezu pulverisiert hat.
Doch damit nicht genug.
Statt mit ihrer Freundin T. und ihrem Mops unbehelligt nach Schottland zu fliegen, haben die Frauen plötzlich eine geflüchtete türkische Braut im Schlepptau und einen gestohlenen 500 000.-€ Ogon Koi im Gepäck …

Band 1 der "The Pub" Reihe von Pia Guttenson


Schottland zur selben Zeit

»Nach all der Zeit kommt sie also endlich zurück gekrochen. Hat wohl nicht funktioniert mit ihrer ach so tollen Tanzkarriere. Auf einmal erinnert sie sich an ihr Erbe, oder wie soll ich das verstehen?«, wetterte der zweite Boss von ,The Pub‘ lautstark gegen Elizabeths Heimkehr.
In seinem eigenen Kopf hingegen herrschte das reinste Chaos. Waren Hass und Enttäuschung wirklich alles, was Stuart für Elizabeth empfand? Alan, sein Vater, gab ihm kaum erkennbar nickend zu verstehen, dass es besser war, sich aus den Familienangelegenheiten der Conners herauszuhalten. Er für seinen Fall hatte keinen Bedarf an Ärger. Diese Suppe hatte sich Lizzy ganz alleine eingebrockt. Dann konnte sie diese auch alleine auslöffeln. Der Boss war nun einmal der Boss, egal, ob man sich ausstehen konnte, oder eben nicht. Stumm tauschte er sich mit seinem Vater Alan aus.
»William, hüte deine Zunge. Ich bin mir sicher, Elizabeth hatte ihre Gründe. Sie hat immerhin ihren Vater verloren, und kurze Zeit später ihre Mutter ... «
»Das mag ja sein, Mutter. Dennoch hat sie sich aus ihrer Verantwortung gestohlen. Hier geht alles den Bach hinunter, während die feine Dame tanzen geht. Verdammt. Sie ist und bleibt eine Conner. Wir sind ihre Familie, ihr Clan. Elizabeth hat uns im Stich gelassen«, spie William zornig aus, und knallte das leere Whiskyglas derart fest auf die Ablagefläche neben ihm, dass Stuart fest mit umher fliegenden Glassplittern rechnete. Zum Glück blieben diese aus.
»Ich frage mich, wie du mit deiner Mutter redest, Will. Man könnte meinen, du bist keine dreißig Jahre, sondern fünfzehn Jahre alt, und noch grün hinter den Ohren!«
 »Schon gut, Alan«, unterbrach Marjorie den Disput und ergriff Alans dargebotenen Arm, der es ihr möglich machte, sich langsam aus dem Rollstuhl zu erheben. Ob Lizzy wusste, wie schlecht es ihrer Tante ging? Marjorie Conner war für ihre über siebzig Jahre, sowie ihre schlechte körperlichen Verfassung, noch immer eine beeindruckende Erscheinung. Stuart war schleierhaft, warum Williams Vater sie nie geheiratet hatte. Sieben Jahre war es her, dass ihr Bruder Gordon bei einem unverschuldeten Unfall den Tod fand. Seit diesem finsteren Tag war Marjorie Conner das unanfechtbare Oberhaupt des Conner Clans. Aufrecht, mit versteinerter Miene, das schlohweiße Haar zu einem strengen Knoten frisiert, nur durch Alans Arm gestützt, stand sie da, visierte ihren Sohn mit unerbittlicher Miene.
 Sieben verfluchte Jahre, dennoch reichte bereits ihr ausgesprochener Name, um ihn in Rage, und ebenso in das Jammertal seiner Selbst zu befördern. Ohne dass er es wollte, begannen Stuarts Gedanken ein Eigenleben zu entwickeln. Obwohl seine großen, feingliedrigen Hände noch immer das alte Holz der Küchenablage spürten, an der er salopp lehnte, war er geistig völlig abwesend.
Warum hatte sie gerade ihm eine Whatsapp geschickt? Ausgerechnet ihm, nach all den Jahren. Es gab eine Zeit, da hätte er seine Hand für ein einziges Lebenszeichen von ihr gegeben. Weshalb hatte sie nicht einfach Marjorie oder William angeschrieben? Die ganzen verfluchten Jahre hatte er nicht genau gewusst, wo Lizzy war. Noch heute konnte er sich an jede verfluchte Sekunde des Tages erinnern, der sein Leben zerstört hatte. An jenen Moment, in dem ihm Elizabeth Camille, seine Cami, das Herz mit beachtlicher Präzision lebendig aus der Brust gerissen hatte, um darauf zu tanzen.
 »Du kannst doch nicht einfach so gehen, Cami! Bedeute ich dir so wenig?«
»Nur weil ich dir meine Unschuld geschenkt habe, Stu, heißt das doch noch lange nicht, dass wir verheiratet sind. Außerdem war es nichts Besonderes.«
»Nichts Besonderes? Dafür, dass ich so ein lausiger Liebhaber war, haben wir es ziemlich oft getan, Sugar. Wenn ich mich recht erinnere, haben wir tatsächlich jeden einzelnen Raum in meinem Haus mehrfach eingeweiht. Ganz zu schweigen davon, dass ich dir meine Unschuld ebenfalls geschenkt habe. Was zum Henker soll das werden, Cami?«
»Jetzt mach doch kein Drama draus. Wir sind viel zu jung, um an Heiraten und den ganzen Kram zu denken! Du hast eine Bessere verdient, Stu.«
»Was, wenn ich aber keine Bessere möchte? Warum fragst du mich nicht, was ich will, Cami?«
Er hatte ihr hinterhergeschrien. Gebrüllt wie ein verletzter Stier. Ohne Erfolg. Noch heute sah er ihren verabscheuenden Blick, unter dem er sich schutzlos, fast nackt vorgekommen war. Selbst ihre Hand, die ihn von sich gestoßen hatte, konnte er immer noch spüren. Elizabeth Camille Conner zuzusehen, wie sie sich mit festen Schritten von ihm abwandte und durch den Regen davon ging, würde er niemals vergessen. Auf eine erklärende Antwort wartete er noch heute. Verdammt. Das Mädchen, mit dem er aufgewachsen war, das Mädchen, das mit ihm jeden Baum und jeden Berg erklommen hatte. Die Freundin, die ihn besser kannte als sein allerbester Kumpel, die so viel mehr war als nur eine Freundin. Genau diese hatte ihn eiskalt abserviert. Sie hatte ihn stehen lassen an einem trüben Herbsttag, durchnässt vom Regen und unfähig, sie aufzuhalten.
Als die Nachricht vom Tod ihrer Mutter kam, war er außer sich vor Sorge gewesen. Doch den Rest hatte ihm Grantown on Speys Gerüchteküche gegeben, in der man sich von einer Schwangerschaft erzählte. Und er wusste, dass an diesem Gerücht mehr dran war, als viele annahmen. Stuart hatte die Zeichen vor sich im Bett gehabt und nicht reagiert. Es wäre seine Aufgabe gewesen, seine allein, ihre starke Schulter zu sein.  Mut, Halt und Liebe hätte er ihr geben sollen. Stattdessen hatte er den Schwanz eingezogen und sie einfach gehen lassen! Gott allein wusste, dass er alles dafür gegeben hätte, um die Zeit zurückzudrehen. Doch das Leben war unerbittlich, es funktionierte nie zu seinen Gunsten. Keine Anrufe, keine Nachrichten. Keine Cami, die vor seiner Tür stand und ihn bat, sie zurückzunehmen!
,If you love something, set it free. If it comes back, it‘s yours. If it doesn’t come back, it was never meant to be!‘
Zur Hölle mit dir, Elizabeth Camille Conner! Es schmerzte noch immer so, als wäre es erst gestern gewesen.
 »Gut dann wäre das abgemacht. Stuart? Du siehst nicht gerade begeistert aus«, sprach Marjorie ihn an, schien auf eine Antwort zu warten.
»Entschuldige bitte?«
»Es macht dir doch nichts aus, Elizabeth vom Flughafen abzuholen?«
Cac. Das hatte ihm gerade noch gefehlt. Ihm war völlig entgangen, um was es genau es in dem Gespräch gegangen war. Hatte er wirklich geglaubt, die paar Jahre könnten ihn eine ganze Kindheit oder die erste große Liebe vergessen lassen? Weshalb hatte er nur nicht zugehört. Er ignorierte Williams süffisantes Grinsen.
»Sollte es? Wir sind schließlich beide erwachsen, aye«, antwortete er kalt, ohne sich eine Gefühlsregung anmerken zu lassen. Dem Blick seines Vaters wich er trotzig aus. Alan war einer der wenigen, dem er nichts vormachen konnte.
 »Ihr entschuldigt mich. Ich habe einen Garten anzulegen und Bäume zu stutzen.« Wenigstens brachte sein Job als Landschaftsgärtner mit sich, dass man sich bestens abreagieren konnte, so man wollte.



Deutschland

T war bereits mit Brutus vorausgegangen, um Gungs Auto zu holen, das sie sich für den heutigen Tag ausgeliehen hatten. Lucys langsames Tempo beim Hinabsteigen der Treppen kam ihrem Knie zu Gute. An normalen Tagen fiel ihr das Treppensteigen nicht mehr so schwer, auch wenn es nach wie vor nicht schmerzfrei vonstatten ging.
Jetzt, wo sie sich entschlossen hatte, nach Schottland zurückzukehren, empfand sie den Gedanken daran auf einmal nicht mehr so abwegig. Im Gegenteil, ein winziger Funke Hoffnung wuchs in ihr. Hoffnung auf einen Neubeginn. Einfach würde es mit großer Wahrscheinlichkeit nicht werden. Aber was war in den letzten Jahren ihres Lebens schon einfach gewesen? Marjory, ihre Tante, war, gelinde gesagt, altmodisch und sie beide hatten sich noch nie gut verstanden.
Gedankenverloren steckte sie den Schlüssel in den Briefkasten, öffnete ihn. Im ersten Moment war ihr nicht klar, was in ihre Hand gefallen war, und dass Liz nicht losschrie, verdankte sie einzig und alleine der Anwesenheit des Kindes. Nicht auszudenken, wenn Lucy auf die abgeschnittene Pfote, sie schätzte die einer Katze, aufmerksam wurde, die auf ihrer ausgestreckten Handfläche lag.
Im Bruchteil von Sekunden hatte sie die scheußliche Drohung angeekelt zurück zu den Werbeprospekten in den Briefkasten gestopft und abgeschlossen. Angestrengt versuchte sie, nicht hysterisch zu werden, während sie dabei unablässig ihre Hand an der Jeans abrieb, als ob sie dadurch die Berührung der toten Katzenpfote wieder loswerden würde. Hanno war ein kranker Psychopath. Wie hatte sie ihre Menschenkenntnis nur so im Stich lassen können?
Vor dem Haus stieß sie mit T zusammen, die wohl hatte nachsehen wollen, wo sie und Lucy steckten. Himmel, wie lange hatte sie denn gebraucht? T’s Blick nach zu beurteilen, länger als es ihr vorgekommen war.
»Ist mit dir alles in Ordnung, Lizzy? Du siehst aus, als wäre dir Freddy Krüger höchstpersönlich begegnet.«
Ohne ihre Freundin anzusehen, bückte sich Liz nach Brutus, bei dem sie systematisch jede einzelne Pfote entlangstrich, und murmelte eine unverständliche Entschuldigung. Es war eine Katzenpfote. Es war eine Katzenpfote, und weder Brutus noch dich wird der Psycho in die Hände bekommen. Das war einfach eine kranke Verwarnung, versuchte sie sich dabei gedanklich einzureden.
Nach dieser fürchterlichen Nacht, und dem anschließenden dreiwöchigen Krankenhausaufenthalt nach der Knie-OP, hatte es langsam begonnen. Drohbriefe und Beerdigungsbuketts waren ihr in die Reha geschickt worden. Ihr ehemaliger Liebhaber verstand etwas von Warnungen. Selbst nach der Gerichtsverhandlung konnte er es nicht lassen. Hanno unternahm alles, um sie mürbe zu machen. Das hier fing allerdings an, viel zu weit zu gehen! Was erwartete er von ihr? Dass sie sich umbrachte? Oder zu ihm zurückkam?
Da T’s Handy lautstark klingelte, übernahm Liz es, die Kleine in ihrem Kindersitz anzuschnallen. Ablenkung hatte sie, so oder so, mehr als nötig. Zum Glück war der Kindersitz noch von der letzten Woche im Auto verblieben. Gung, ihr Chef, liebte Lucy und lieh Mrs. T gerne das Auto, wenn diese es benötigte. Sanft setzte sie dem Mädchen die Kopfhörer des MP3 Players auf, aus dem bereits das laute ,Törö‘ von Benjamin Blümchen, dem berühmten Elefanten, erklang. Liebevoll strich sie ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht, um diese dann neu mit der roten Herzchenhaarklammer festzustecken.
Sichtlich aufgebracht, ging T vor dem Auto auf und ab. Ihre Freundin sah auf eine Art beunruhigt aus, die ihr gar nicht gefallen wollte.
»Moment mal, du hast was? Hör auf zu schreien, Fati, bitte. Nein, nein weil ich dich sonst nicht verstehen kann ... Was für eine Zwangsheirat? FUCK!«
Schon wieder diese Gossensprache. Liz verabscheute es, wenn T so sprach.
»Himmel T, deine Tochter kann diese fürchterlichen Worte hören!«, unterbrach sie die große Frau, welcher jetzt alle Farbe aus dem Gesicht wich, und die ihr per Handzeichen signalisierte, sie solle gefälligst den Mund halten. Was sie sicherlich nicht getan hätte, wenn Mrs. T nicht just in diesem Augenblick plötzlich gegen die Karosserie gesunken wäre, als hätte sie einen Schwächeanfall.
»Was hast du getan? Fati ...« krächzte sie dabei ungläubig, so dass Liz in höchster Alarmbereitschaft war. »Nur, damit ich das richtig verstehe, Fati. Du sagst, da ist Blut? Da ist überall jede Menge Blut und du, du hast deinen ... deinen Zukünftigen erschlagen ... mit, mit dem Koran?«, wiederholte T stotternd und stieg dabei ins Auto ein, als ob ihr sonst die Beine den Dienst versagen würden.
Was, um alles in der Welt, war da passiert? Es musste sich um einen Anruf von Fatma handeln, so viel konnte Liz aus den Sprachfetzen schlussfolgern. Sie hoffte nur, dass sie sich mit dem Rest, den sie sich laut des Telefonats zusammenreimte, verhört haben musste. So schwer konnte doch der Koran nicht sein? Wie viel wog die Bibel noch gleich?
Liz empfand keinerlei Erleichterung, als sie sich anschnallte und den Kopf zu T drehte, die mit aufgerissenen Augen durch die Windschutzscheibe starrte.
»Nur, weil ich mit vollem Namen Theresa heiße, heißt das doch nicht zwangsläufig, dass ich zu einer Mutter Theresa mutieren muss. Oder? Es kann doch nicht meine Aufgabe sein, Gott und die Welt zu retten ...«, flüsterte sie fassungslos.
Gefasster, als ihr zu Mute war, nahm Liz T das Handy aus den kraftlosen Fingern, die sich eiskalt anfühlten.
»Du musst keine Mutter Theresa werden, nur, weil dir am wohl deiner Freunde liegt, T. Was, um alles in der Welt, hat Fatma angestellt? Und vor allem; was gedenkst du zu unternehmen?«
Erst, als der Motor stotternd zum Leben erwachte, und das Auto holpernd auf die Straße rollte, antwortete T.
»Was ich tue? Das, was ich am besten kann. Anderer Leute Hintern retten, um ihnen dann selber den Hals umzudrehen. 


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